Originaltitel : Twisted Nerve

Herstellungsland : Großbritannien

Erscheinungsjahr : 1968

Regie : Roy Boulting

Darsteller : Hayley Mills,Hywel Bennett,Billie Whitelaw,Phyllis Calvert,Frank Finlay u.a.

Laufzeit : 112:47 Minuten (ungeschnittene UK Fassung), 99:43 Minuten (deutsche Kinofassung)

Freigabe : ungeprüft

Story :

Enid Durnley gebar einst einen Sohn der am Down-Syndrom leidet, welches sie in eine spezielle Klinik abschob.
Zu ihrer Freude blieb ihr zweitgeborener Sohn, Martin, von dieser Behinderung verschont und seine Mutter behandlet ihn mit seinen 22 Jahren immer noch wie ein kleines Kind.
Sie hätschlet und tätschelt ihn wo es nur geht, sehr zum Missfallen des Stiefvaters Henry; dieser wünscht sich das Martin endlich mal auf eigenen Füßen steht und sich eine Arbeit sucht.
In einem Kaufhaus lernt Martin die junge und attraktive Susan Harper kennen; sie wird von den Ladendetektiven für seine Komplizin gehalten als er ein Plastikspielzeug stahl.
Martin gibt sich als Georgie aus und spielt allen vor geistig Behindert zu sein.


Als sein Vater ihn vor die Tür setzt hat er aber schon einen rettenden Plan : Längst hat er Susan ausspioniert und weiß alles relevante über sie.
Mit einem angeblichen von seinem Vater aufgesetztem Schreiben steht er in einer veregneten Nacht vor der Tür der Pension die Susans Mutter betreibt.
In diesem gefälschten Brief steht das Georgies Vater sich auf Geschäftsreise in Frankreich befindet und er drum bittet das sich die Harper Familie um seinen Sohn kümmert.
Anfänlichst skeptisch willigt Susans Mutter ein und schon schnell haben beide den jungen Mann ins Herz geschlossen.

Der Arzt Shashie Kadir und Gerry Henderson wohnen auch in der Pension und letzterer, der zudem der Liebhaber von Susans Mutter ist, tritt dem jungen Mann mit großer Skepsis entgegen.
Martin hat sein Alter Ego Georgie schon vollkommen verinnerlicht und seine Obsession Susan gegenüber treibt ihn immer mehr in einen psychotischen Wahn; jeder der Susan zu nahe kommt oder eine potenzielle Gefahr beim durchkruezen seiner Pläne darstellt muss beseitigt werden.

Bewertung :

 


Professor Fuller im Film :

"Schon ein entstellter Nerv, ein falsch gewundenes Ganglion, prädestiniert den Sünder oder Heiligen."

Im Jahr 1968 inszenierten die Boulting Brüder diesen tollen und spannenden Psycho-Thriller, der sich dem Thema Chromosomschäden und der Verbindung von psychotischem Verhalten annimmt.
Roy Boulting zeigte sich hier für die Regie verantwortlich, während sein Bruder John als ausführender Produzent tätig war.
Beiden ist hier ein eindringlicher Film gelungen, der im wesentlichen das thematisiert was Dario Argento 3 Jahre später in DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE ähnlich zwiespältig auch aufnimmt.
Sicherlich ist es alles als rein spekulativ wenn pseudowissenschaftliche Thesen zum Thema Mongolismus und krankhaft psychischem Fehlverhalten aufgestellt werden, so das sich in der englischen Originalfassung auch die Boulting Brüder davon distanziert haben. 

"Sehr geehrtes Publikum, die Produzenten des Films möchten, aufgrund der aufkommenden Kontroverse, erneut betonen, was bereits im Film verdeutlicht wird :
Es gibt keinen erwiesenen Zusammenhang Mongolismus und psychotischem oder kriminellem Verhalten."

Auch Leute, denen der Film gänzlich unbekannt sein dürfte kennen zumindest die gepfiffene Titelmelodie aus dem Film.
Quentin Tarantino hat diese nämlich neben Meiko Kaji's Lied "Shura No Hana" aus dem Film LADY SNOWBLOOD auch für sein Rache Epos KILL BILL "entliehen".
Diese Titelmelodie wurde von Bernard Herrman komponiert, der u.a. auch für die Musik zu Hitchcock's PSYCHO und VERTIGO verantwortlich war.
Zu Klassikern wie TAXI DRIVER, CITIZEN KANE und DER TAG AN DEM DIE ERDE STILL STAND hat er aber auch Scores beigesteuert.
Spätestens seit KILL BILL hat diese eingängige Melodie aus TEUFELSKREIS Y Weltruhm erlangt und dürfte diesem Film zu größerer Bekanntheit verhelfen.

Nun ist es ja nicht alleine eine Melodie die einen Film gut und zu einem Erlebniss macht, was auch bei TEUFELSKREIS Y zutrifft.
Man hat hier einen packenden Psycho-Thriller vorliegen das leicht am Horror Genre kratz und, untermalt von Herrman's Klängen, auch filmisch Paralellen zu den späteren Hitchcock Filmen aufweist.
Fans des PSYCHO Regisseurs und auch Fans der italienischen Gialli kommen bei TEUFELSKREIS Y zweifelsohne auf ihre Kosten.
TWISTED NERVE, so der Originaltitel, schafft es eine permanente Spannung zu erzeugen da man sich über die eigentliche Motivation Martin's und auch dem Ausgang der Ereignisse nicht ganz im klaren ist.
Sicherlich ist die Story in gewissem Masse vorhersehbar und man ist sich auch darüber im Klaren, das Martin das Mitleid, was man ihm als Georgie entgegen bringt schamlos ausnutzt.
Doch Boulting gibt nicht alles relevante Preis und als Zuschauer weiß man so halt nicht ob es wirklich nur darum geht Sympathien die ihm sonst nicht entgegengebracht werden zu erspielen oder ob Martin einfach nur ein Psychopath ist der über Leichen geht.
Genau dies macht den Film dann auch sehr interessant und spannend, da hier trotz Durchsichtigkeit die Ungewissheit dominiert.

Man kann sich denken, das TEUFELSKREIS Y vor allem durch die grandiose Darstellung von Hywel Bennett getragen wird; dieser wechselt im Film nämlich nahtlos zwischen Martin und Georgie und man nimmt ihm diese dissoziative Identitätsstörung die ganze Zeit über komplett ab!
Auch in den anderen Rollen ist der Film bestens Besetz worden und Hayley Mills überzeugt hier in der Rolle der Susan, welcher man eine gewisse Naivität nicht absprechen kann.
Mills war übrigens zuvor ein Disney Kinderstar und zur Entstehungszeit des Films die Freundin von Regisseur Roy Boulting; beide heirateten später auch.
Dies sorgte für einen kleine Skandal, da es zwischen Mills und Boulting einen Altersunterschied von 33 Jahren gab.

In einer Nebenrolle gibt es hier auch noch ein Wiedersehen mit Barry Foster, der hier den Liebhaber von Susans Mutter und Penisonsbewohner Gerry spielt.
Foster dürfte den meistens ein bekannt sein und hat u.a. in FRENZY, DIE WILDGÄNSE KOMMEN, LUFTSCHLACHT UM ENGLAND und der TV Serie VAN DER FALK mitgewirkt.
2 Jahre vor TEUFELSKREIS Y standen Hayley Mills und Barry Foster übrigens schon zusammen in HONIGMOND 67 vor der Kamera.

Die Kameraarbeit von Harry Waxman ist über jeden Zweifel erhaben und Waxman fängt hier tolle Bildkompisitionen ein die TWISTED NERVE auch visuell gesehen zu einem Hochgenuss machen; über Kamerafahrten bis hin zum Spiel mit Licht und Schatten ist hier alles perfekt inszeniert.
Dies ist eigentlich nicht sehr verwunderlich da Harry Waxman sehr versiert ist und dies auch später in Filmen wie DER KELLER, VAMPYRES-DAUGHTERS OF DRACULA oder DAS UNHEIMLICHE unter Beweis stellen konnte.
Das größte Highlight bei dem Waxman wirklich mehr als imposante und atmosphärische Bilder auf Zelluloid bannte enstand 5 Jahre später und ich denke THE WICKER MAN sollte eigentlich jedem ein Begriff sein.

Auch wenn die bizarren, pseudowissenschaftlichen Thesen dem ein oder anderem Übel aufstoßen mögen, sollte man sich vor Augen halten das sich die Macher von dieser Aussage distanzierten und es sich letztendlich ja auch nur um einen Film handelt.
Und im Film wird ja auch darauf hingewiesen das Martin nicht am Down Syndrom leidet.

Letztendlich kann man TEUFELSKREIS Y jedem ans Herz legen der sich für Thriller interessiert und die Zwillingsbrüder Boulting haben ein atmosphärischen, in sich runden Film gemacht den man durchaus als Refrerenzstück bezeichnen kann.

8 von 10 verdrehten Nerven