Originaltitel : Blue Sunshine

Herstellungsland : USA

Erscheinungsjahr : 1978

Regie : Jeff Lieberman

Darsteller : Zalman King,Deborah Winters,Mark Goddard,Robert Walden,Charles Siebert u.a.

Laufzeit : 90:48 Minuten

Freigabe : juristisch geprüft (deutsche DVD von CMV), Rated R (USA)

Story :

In einer Waldhütte feiert man eine ausgelassen Party und Frank befindet sich grade im Begriff seine Gesangskünste unter Beweis zu stellen als ihm versehentlich jemand seine Perücke vom Kopf reißt.
Niemand wußte das Frank unter die Glatzenträger gegangen ist und da ihm die Situation sichtlich peinlich ist verlässt er fluchtartig das Haus.
Doch irgendetwas stimmte nicht mit ihm - der Blick den er in den Augen hat lies ihn wie einen Wahnsinnigen aussehen.

Während 4 der Gäste - darunter auch Jerry's Freundin Alicia - die Party im Auto verlassen und 3 Frauen in der Hütte bleiben macht sich Jerry auf den Weg um Frank im angrenzendem Wald zu suchen.
Seine Bemühungen sind erfolglos, doch beim betretten der Hütte findet er die 3 Frauen verbrannt und tot vor.
Frank ist dem Wahnsinn verfallen, hat die 3 Frauen ermordet und greift nun auch Jerry an - welcher aber aus dem Haus flüchten kann.
Auf offener Straße liefern die beiden sich eine handfeste Auseinandersetzung bei der Frank von einem heranfahrendem Truck überrollt wird.

Jerry begibt sich an den Tatort zurück und wird von einem der Truckfahrer gestellt, kann aber mit einer Schußwunde am Arm entkommen.
Für die ermittelnde Polizei liegt es auf der Hand das Jerry Zipkin der Mörder ist und schreibt ihn zur Fahndung aus.
Jerry's Freundin Alicia zweifelt nicht an seiner Unschuld und hilft ihm diese auch beweisen zu können.

Nur einen Tag später lesen beide in der Tageszeitung das ein kahlköpfiger Polizist im Wahn seine ganze Familie ermordet hat und Jerry erkennt sofort das es einen Zusammenhang gibt.
Der zu Unrecht des Mordes beschuldigte stößt bei seinen Recherchen auf ein Bild von Ed Flemming, der sich grade im Wahlkampf um den Posten des Gouvernours befindet.
Unter diesem Bild, das Flemming in hippieskem Look zeigt prangt ein Schriftzug auf dem "Blue Sunshine" steht.

Zipkin trifft sich mit dem Politiker und als der Begriff "Blue Sunshine" fällt reagiert dieser sehr aggresiv und macht sich schnellstens aus dem Staub.
Alicia hat zwischenzeitlich eine Unterhaltung mit Wayne Mulligan, der Flemming noch aus Studienzeiten kennt und als Bodyguard für ihn arbeitet.
Nun fällt es Jerry wie Schuppen von den Augen, da alle Wahnsinnigen zusammen mit dem Politiker an der Stanford University studierten.

Für Jerry beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, in dem er herausfinden will wer sonst noch zu den potenziellen Amokläufern gehören könnte um neue Morde verhindern zu können.
Zusätzlich macht er sich auch noch Sorgen um seinen langjährigen Freund David, denn die Symptome von Haarausfall und Kopfschmerzen und eine Urkunde der Stanford University sprechen für sich - dies alles ist nicht grade einfach wenn man auch noch die Polizei im Nacken sitzen hat und man seine eigene Unschuld zu beweisen hat.

Bewertung :

Mit BLUE SUNSHINE lieferte Jeff Lieberman (JUST BEFORE DAWN, SATANS LITTLE HELPER) im Jahr 1978, 2 Jahre nach seinem Debüt SQUIRM, einen atmosphärischen und eindringlichen Horrorthriller ab.
Meiner Meinung nach hat BLUE SUNSHINE wesentlich mehr aufmerksamkeit verdient und wird auch oft leider unterbewertet.
Fiel sein Debüt SQUIRM noch recht trashig aus, erkennt man bei seinem zweiten Spielfilm definitiv einen großen Fortschritt und er sieht professioneller aus - was aber nicht heißen soll das SQUIRM ein schlechter Film ist.

Allein schon die knapp 8 Minuten lange Introsequenz, welche die verschiedenen Charaktere und potenziellen Konsumenten der Droge einleitet, ist mehr als gelungen.
Durch diese Einleitung etabliert sich gleich zu Beginn des Films schon die eindringliche, paranoide und epidemische Grundstimmung dieses Horrorszenarios.
Diese schauerhafte Spannung kann BLUE SUNSHINE auch während der gesamten Laufzeit beibehalten und hält den Zuschauer bei der Stange.
Die paranoide Grundstimmung von BLUE SUNSHINE erinnert mitunter auch an die Frühwerke von David Cronenberg und es ist nicht immer eindeutig wer nun von den Spätfolgen der Droge betroffen ist und wer nicht.

Einen großen Beitrag zum Chill-Faktor des Films leistet der von Charles Gross beigesteurte Soundtrack - diese Filmmusik riecht förmlich nach gutem 70ger Jahre Horrorsoundtrack wie man es aus dieser Zeit gewohnt war.
Gross, der vorwiegend Musik für TV Filme und Serien komponierte, hat hier alle Register gezogen um Lieberman's urbaner Paranoia ein akustisches Gesicht zu geben und dies ist im mehr als gelungen.
In Kombination mit der Kamera von Don Knight formen Musik und Bilder eine perfekte Horror-Thriller Melange.
Was mir unersichtlich ist, ist die Tatsache das Don Knight zwischen 1976 und 1987 grade mal für 3 Filme hinter der Kamera stand, da er durchaus das Potenzial hatte.

Lieberman hatte für den Film grade mal 500.000 $ als Budget und in Anbetracht dessen ist der Film mehr als gelungen - dieses niedrige Budget merkt man ihm zu keiner Zeit an, grade wenn man mal an die unzähligen Low Budget Movies der 80ger denkt und welche qualitativen Standards diese hatten.
Dieser Budgetmangel führte dann auch dazu, das der Regisseur sein Drehbuch umschreiben und einige Szenen komplett streichen musste.
Das ursprüngliche Script sah Flashback Szenen vor, welche 10 Jahre früher am College spielen sollte und alle wichtigen Charaktere des Films dort als Hippies zeigen sollte die sich mit LSD zudröhnen.

Storytechnisch kann man BLUE SUNSHINE bedenkenlos als innovativ bezeichnen, da Lieberman Neuland betritt - anstatt auf den altbewährten Virus oder biologischen Kampfstoff zu setzen ist hier eine Droge für den Haarausfall mit folgender Hydrophobia verantwortlich.
Auch interessant ist der Aspekt das die Konsumenten der Droge erst 10 Jahre später unter den Nebenwirkungen leiden, da diese ihre Chromosomen verändert hat später und zu mordhungrigen Bestien mutieren lässt.
Diese Hydrophobia muss im Film aber auch erst implementiert werden bevor sie austicken und dies geschieht in extremen Streßsituation die durch äußerliche Einflüße wie Lärm eingeleitet werden.
Auch die Tatsache das man sich hier der 68er Hippiebewegung annimmt und diese 10 Jahre später zu Bestien werden läßt ist ein interessanter Aspekt, da diese Bewegung längst in der Gesellschaft angekommen war, nun hochrangige Jobs bekleiden und über ihre Jugendsünden den Mantel des Schweigens hüllen.
Lieberman rezitiert hier auf seine eigene Art nocheinmal den Untergang der 68er Bewegung und gibt diesem einen üblen Beigeschmack.

Da BLUE SUNSHINE auf Atmosphäre, Spannung und sozialkritischen Unterton setzt sollte man seine Erwartungen bezüglich Effekten nicht zu hoch ansetzen - hier gibt es bis auf ein paar Tropfen Blut nichts zu sehen und ich finde den Film könnte man ungeschnitten bedenkenlos eine FSK 16 Freigabe geben.
Es war aber auch nicht die Intention des Regisseurs hier eine Splatter Schlachtplatte zu drehen und die vorhandene Härte hier ist von psychologischer Natur.
Dies dürfte leider die Generation von Horrorfans, die mit Filmen wie SAW, HOSTEL, SCREAM und FINAL DESTINATION aufgewachsen sind abschrecken und sie werden den Film als langweilig abtun.

Zalman King (DUELL BIS ZUM VERRECKEN, PLANET DES SCHRECKENS), der hier Sean Penn in jungen Jahren sehr ähnlich sieht und hier die Hauptrolle bekleidet, ist wirklich positiv hervor zu heben - auch wenn man in vielen Reviews anderes liest.
Es wird Kritik laut das King in keinsterweise eine Identifikationsfigur im Film darstellt - genau dies macht den Charakter aber interessant und vielschichtig, da er seine Ecken und Kanten hat.
Die Charakterzeichnung des Jerry ist meiner Meinung nach sehr gelungen und auch er scheint Mental labil zu sein, was sich vorallem in einer Szene in der er halluziniert bemerkbar macht.
Dies ist auch sehr förderlich für die Story, da man nicht weiß ob auch er eventuell die Droge damals zu sich genommen hat und langsam verrückt wird.

In einer Nebnrolle als betrunkener und/oder zugedröhnten Partygast, der wie ein Hahn gockelt und rumhüpft, spielt hier übrigens auch Brion James mit, der - sofern er einen Pornobalken im 70ger Stil über der Oberlippe trägt - für Joe "Maniac" Spinell gehalten werden könnte.
Brion James dürfte durch Filme wie BLADE RUNNER, NUR 48 STUNDEN, FLESH + BLOOD, RED SCORPION, HOUSE III, MANIAC CITY oder DIE KILLER-AKADEMIE ein bekanntes Gesicht sein.

Die einzigen Kritikpukte die in anderen Reviews angesprochen wurde und dem ich zustimmen kann ist das doch recht abrupte Ende des Films der auf 2 Schrifttafeln nachlesen läßt was nach der letzen Szene passiert.
Man hätte dieses Ende durchaus verfilmen sollen um das Gesamtprodukt in sich schlüssiger und runder wirken zu lassen - eventuell hatte Lieberman dies ja vor aber das Budget reichte dafür nicht aus.
Ich bin mir sicher wenn man grade die letzte Schrifttafel visuell umgesetz hätte, würde dies die paranoid-kalte Atmosphäre unterstüzen und den Film noch eine Spur unheimlicher wirken lassen.
Auch das teilweise unlogische Handeln des Jerry kann ich bestätigen, was aber nur einen minimalen Kritikpunkt darstellt.

Unterm Strich bleibt aber ein toller Horror-Thriller, der grade Nostalgiker und Fans von Drive-In Movies begeistern dürfte und zu Unrecht unterbewertet und unbekannt ist!

8 von 10 Perücken