Originaltitel : Raisins de la Mort, Les

Alternativtitel : Pesticide
Pestizide - Grapes of Death
Pestizide - Stadt der Zombies
Raisins of Death
Village of the living dead, The
Zombies geschändete Frauen
Zombis geschändete Frauen

Herstellungsland : Frankreich

Erscheinungsjahr : 1977

Regie : Jean Rollin

Darsteller : Marie-Georges Pascal,Félix Marten,Serge Marquand,Mirella Rancelot,Brigitte Lahaie u.a.

Laufzeit : 86:23 Minuten

Freigabe : ungeprüft

Story :

Michel ist Verwalter eines großen Weinguts und dadurch das er ertragreich WIrtschaften muss macht er auch vor neuen Methoden keinen halt.
So setzt er zur Zeit ein neues Pestizid ein und allein schon die blau-graue Farbe des Rauchs sollte zu Bedenken geben.
Es dauert nicht lange und schon fühlen sich die ersten der Arbeiter krank.

Michel :"Was ist denn hier los?"

Kowalski :" Ich fühle mich nicht gut, ich glaub ich habe Fieber!"

Michel :"Blödsinn! Trink ein Glas Wein und geh wieder zur Arbeit!"

Am nächsten Tag befindet sich Claudine mit einer Freundin im Zug; Claudine ist Michels Verlobte und ist auf dem Weg um ihn zu besuchen.
Den beiden, jungen Frauen fällt auf das sie die einzigen Passagiere im Zug sind, was sich aber beim nächsten Stop schon ändern wird.
Während ihre Freundin sich auf der Toilette frisch macht betritt ein Mann Claudine's Zugabteil.
Dabei handelt es sich um Kowalski, der sich am Vortag über Unwohlheit bei Michel beklagt hatte.
Irgendwie verhält der Mann sich sehr seltsam, scheint von Schmerzen geplagt zu sein und hat auch eitrige Pusteln an Hals und im Gesicht.

Da mit Männern mit Furunkel nicht gut Munkeln ist verlässt die junge Frau das Abteil und mitten im Gang findet sie ihre Freundin tot auf.
Sie zieht die Notbremse des Zugs und kann dem Mann, der verrückt zu sein scheint, in letzter Sekunde entkommen.

Claudine bahnt sich nun ihren Weg durch die Berge um zum Weingut ihres Geliebten zu gelangen.
Auf ihrem Weg entdeckt sie ein kleines Bauernhaus und bittet dort um Hilfe.
Doch Gastfreundschafft sieht anders aus und der Besitzer und Weinbauer, der dort mit seiner Tochter lebt, will sie sein Telefon nicht benutzen lassen und sie auch nicht mit dem Auto in das nächste Dorf fahren.
Da macht sie die schreckliche Entdeckung das dieser Mann die gleichen Furunkel aufweist wieder der Verrückte im Zug und im Wahn auch schon jemanden getötet hat.

Zusammen mit der Tochter des Weinbauern versucht man sich in einer Nacht-und Nebelaktion davon zu schleichen, was nur bedingt gelingt.
Wieder auf sich alleine gestellt führt Claudine ihre Odysse durch die Weinberge Süd Frankreichs fort und trifft auf eine junge,blinde Frau.
Diese sichert ihr zu, ihr Unterschlupf für die Nacht zu gewähren, wenn Claudine ihr hilft den Weg zurück in ihr Dorf zu finden.
Doch auch dort sind die ganzen Bewohner schon am durchdrehen und bringen sich gegenseitig um.
Wird Claudine es am Ende schaffen sich ihren Weg zum Weingut von Michel zu bahnen und ihren Verlobten wohlbehalten in die Arme schließen können?

Bewertung :

Jean Rollin hat dem französischem Horrorfilm in den 1960gern neue Impulse verliehen und ist dem Fan wohl eher durch seine erotischen Vampirfilme wie THE LIVING DEAD GIRL oder FASCINATION - DAS LUSTSCHLOSS DER FRAUEN bekannt.
Zwei der deutschen Titel unter denen PESTIZIDE erschienen ist sind aber mehr als irreführend!

Zum ersten wäre das DIE FOLTERMÜHLE DER GEFANGENEN FRAUEN; doch im ganzen Film werden keine Frauen gefangen gehalten und eine Mühle gibt es hier auch nicht zu sehen.
Auch ZOMBIS GESCHÄNDETE FRAUEN ist ziemlich daneben, da hier niemand im sexuellen Sinne geschändet wird. AUch Zombies wie man sie aus anderen Filmen zu genüge kennt kommen hier nicht vor.
Ende der 70ger und Anfang der 80ger waren Zombieflicks aber in aller Munde uns so verwundert es nicht wirklich das PESTIZIDE als einer vermarktet wurde.
PESTIZIDE weißt aber eher paralellen zu Filmen wie Romero's THE CRAZIES oder auch DIE TOLLWÜTIGEN auf, da es sich nicht um Zombies sondern um Verrückte handelt die mit brachialer Gewalt gegen andere vorgehen.
Nicht leugnen kann man, das man sich zwangsläufig an DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN erinnert fühlt, da in beiden Filmen versucht wird sich lästiger Insekten zu entledigen um höhere Ernten in der Landwirtschafft einfahren zu können.

Hier sollte man nicht unerwähnt lassen, das es auch garnicht beabsichtigt war einen Zombiefilm zu drehen; von einem Produzenten wurde Rollin nämlich angeboten einen Katastrophen Film im Stil von POSEIDON INFERNO oder ERDBEEBEN drehen zu können.
Rollin lieferte daraufhin 2 Drehbücher ab, die sich nur marginal unterschieden.
In einem ging es um versuchte Trauben und Wein und das andere Script war eigentlich das gleiche, nur das die Trauben gegen Tabak ausgetauscht wurden.
Da Frankreich ja das Land des Rotweins ist, lag es eigentlich auf der Hand das der Produzent sich für letzteres entschied.

Im Nachhinein wurde Rollin dann noch dazu überredet/genötigt einige blutig-eitrige Splatter FX einzubauen, welche vom Regisseur zuerst garnicht vorgesehen waren.
Wenn man hier also keine Zombiekracher im Sinne von HÖLLE DER LEBENDEN TOTEN oder DAWN OF THE DEAD erwartet, dürfte sich eigentlich keine Enttäuschung einstellen.

Da der Film schon 36 Jahre auf dem Buckel hat, dürften die FX zum Großteil etwas altbacken wirken und vor allem für CGI verwöhnte Horror Kiddies keine großen Reiz darstellen.
In meinen Augen sind die Effekte im Film aber sowieso eher sekundär, da PESTIZIDE von seiner Atmosphäre, der tollen Kameraführung und den grandiosen Locations lebt.
Den ganzen Film über ist die Atmosphäre trostlos, düster und beklemmend und wenn man sich in die Situation der Hauptdarstellerin versetzt macht sich auch eine hysterisch-einsame Auswegslosigkeit breit.
Dies Hysterie der Protagonistin ist auch ein kleines Manko das sich durch den ganzen Film zieht, da es nach 40 Minuten Laufzeit soch teilweise recht nervig ist.
Auf der anderen Hand stellt dieses Gekreische aber auch die Fragilität der Hauptprotagonistin dar, welche trotz ihre panischen Angst immer wieder über sich selbst hinauswächst um ihre große Liebe in die Arme schließen zu können.

Die Landschaftsaufnahmen und Locations in PESTIZIDE sind über jeden Zweifel erhaben und die vernebelten Berge und Dörfer wirken sich positiv verstärkend auf die gothisch-beklemmende Atmosphäre aus.
Untermalt wird das ganze von einem minimalem Synthie Score der Anmutig klingt und schon fast eine hypnotische Wirkung auf den Zuschauer ausübt.

Auf der darstellerischen Ebene kann man eigentlich nichts bemängeln und somit sagen das die Leistungen zwar nichts herausragendes sind aber doch solide.
Fans der französischen Erotik-und Porno Ikone Brigitte Lahaie dürfte es erfreuen das es hier ein Wiedersehen mit ihr gibt und sie auch in PESTIZIDE nicht zuviel Zeit vergehen läßt bevor sie blankzieht.
Auch Darsteller Serge Marquand, hier als Lucien zu sehen, dürfte dem Filmfan ein Begriff sein. Unter anderem hat er in Filmen wie THE BIG RED ONE, BARBARELLA , ANGELIQUE 1 & 2 oder FRIEDHOF OHNE KREUZE mitgewirkt.

Wie schon angesprochen wirken die FX ein wenig altbacken und sehen teils auch ziemlich künstlich aus, was dem Filmgenuss aber keinen Abbruch tut.
Man sollte PESTIZIDE nämlich auch nicht wirklich als Horror oder Splatter Film sehen, da es eigentlich ein Konglomerat aus Öko-Horror, Katastrophenfilm/Seuchenfilm und tragischer Liebesgeschichte handelt.
Das Element der tragischen Love Story kann besonders in 2 Szenen die volle Wirkung entfalten ; das wäre einmal die Szenen die einen Bauern, seine Frau, eine Axt und eine Enthauptung beinhaltet und zum anderen auch das Finale des Films.

Förmlich spürbar ist bei PESTIZIDE auch immer noch der Zeitgeist der 1968er, auch wenn der Film 9 Jahre später entstand.
Hier wird nämlich auch in bester Manier gegen Faschismus und Umweltverschmutzung gewetter; auch wenn dies lediglich als Aufhänger der Story dient und in Jorge Grau's DAS LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN wesentlich mehr Tiefgang hatte.

Unter Strich bleibt ein solider Film, der dem Zuschauer zwar auch an und an einige Längen bescherrt, aber trotzdem überzeugt und seinen eigenen Charme versprüht.
Man darf hier halt nur kein Non-Stop Zombie Ramba Zamba mit vielen Ausweidungen und Hirn fressen erwarten.
Deswegen sollten Gore Bauern, auch wenn hier einige gorige Bauern vorkommen, wohl eher einen Bogen um PESTIZIDE machen!

8 von 10 Gläschen Rotwein