Originaltitel : Singapore Sling

Herstellungsland : Griechenland

Erscheinungsjahr : 1990

Regie : Nikos Nikolaidis

Darsteller : Meredyth Herold,Panos Thanassoulis,Michele Valley

Laufzeit : 110:57 Minuten (NTSC)

Freigabe : Unrated (US RC0 DVD von Synapse Films)

Story :

Eine stürmische Nacht und der Regen prasselt nur so herunter vom Himmel.
Im Garten einer abgelegenen Villa graben 2 Frauen ein tiefes Loch.
Beide tragen nur Dessous mit Strumpfhaltern und einen Regenmantel darüber um sich vor den Wassermassen zu schützen.
Das Loch welches auf den ersten Blick wie ein Grab aussieht entpuppt sich auch als ein solches.
Ein Mann wird in dieses Loch geworfen; seine Eingeweide quillen ihm aus dem Bauch und er wehrt sich noch vehement in seiner letzten Ruhestätte.
Einige Schläge mit dem Spaten setzen seinem Widerstreben ein Ende und reichen aus um sich ihm letztendlich zu entledigen.
Zur gleichen Zeit:
Vor dem Anwesen liegt ein namenloser Mann; eine klaffende, blutige Schußwunde hat ihn in diese missliche Lage gebracht.
Er ist ein Detektiv und auf der Suche nach seiner verschollenen und für tot erklärten Liebe die auf den Namen Laura hört und ihre letzte Spur hat ihn hierhergeführt.

Mit letzter Kraft schafft er es sich bis zum Eingang das Anwesen zu schleppen um dort vollkommen entkräftet zusammen zu sacken.
Eine junge Frau öffnet die Tür und schleift ihn hinein.Die Frau wohnt zusammen mit ihrer Mutter in der Villa, abgeschieden von der Aussenwelt und der Gesellschaft.
Man kümmert sich um den namenlosen und sucht nach einem Indiz für seinen Namen und seine Identität.
Bis auf ein Rezept für einen Cocktail befindet sich aber nichts prägnantes in seinem Taschen, so das man ihn kurzum den Namen des Cocktails gibt, welcher "Singapore Sling" ist.
Doch die Fürsorge und Gastlichkeit hält nicht lange an; bevor Singapore Sling auch nur wieder vollkommen auf den Beinen ist findet er sich gefangen und ans Bett gefesselt als Spielball der 
beiden geistesgestörten Femme Fatales vor.
Auf der Suche nach der Wahrheit was mit Laura geschehen ist und inwiefern das Mutter-Tochter Gespann in deren Verschwinden involviert sieht Singapore Sling sich Folterungen und bizarren Sexpraktiken ausgesetzt; ein Martyrium 
sondergleichen das es wahrlich in sich hat.

Bewertung :

Ein Singapore Sling ist ein Cocktail der aus Gin, Cherry Brandy, Sour Mix und Ananas Saft gemacht wird.
Man sagt ihm nach das er den meisten Leuten den Magen durchrüttelt, aufwühlt unnd ein flaues Gefühl zurücklässt. Und genauso verhält es sich auch mit dem gleichnamigen Film!

SINGAPORE SLING ist eine Hommage an Otto Preminger's Film Noir Klassiker LAURA (1947) und ein transgressiver,postmoderner Neo-Noir Albtraum der seinesgleichen sucht; perfekt gefilmt,ausgeleuchtet und inszeniert in jeder Einstellung!
Stilsicher von Kameramann Aris Stavrou in fantastisch gefilmten Schwarz-weiß Bildern eingefangen liefert uns Regisseur Nikos Nikolaidis einen Film dem man ohne Zweifel die Prädikate "Einzigartig","Krank","Provokativ" und auch "Innovativ" zuordnen kann.
Das hier dargebotene hat und wird man in dieser Form wohl kein zweites Mal zu Gesicht bekommen; auch wenn die Zuschauer heutzutage durch Filme wie A SERBIAN FILM, MENSCHENFEIND oder THE BUNNY GAME schon abgehärtet und einiges gewohnt sein dürften.

Hier sollte man aber auch nicht vergessen das Nikolaidis dieses Unikat eines Genrebeitrags schon 1990 realisierte; lange Zeit bevor kontroverse Filme wie die oben genannten über unsere Bildschirme flimmerten und auch bei einem größerem Publikum anklang finden.
Was SINGAPORE SLING so sehenswert und einzigartig macht ist das er nie zu plakativ oder gar selbstzweckhaft wirkt; in ästhetischer Versiertheit schafft es Nikolaidis den ganzen Film über es wie ein Stück exploitatives Arthouse Kino aussehen zu lassen.
Hier haben wir es wohl mit einem der bizarrsten und wahnsinnigsten Filme zu tun der gedreht wurde; wie ein Albtraum der durch ein Fieber induziert wurde.
Am besten zu beschreiben als ein Hybrid aus LAURA, ERASERHEAD,THUNDERCRACK!, DIE 120 TAGE VON SODOM,DER KOCH,DER DIEB,SEINE FRAU UND IHR LIEBHABER mit einem Schuß MARQUIS DE SADE und ein paar Gore FX. 
Hier wird fast kein Tabu und keine Extreme ausgelassen und um zu Glauben was hier auf Zelluloid gebannt wurde muss man es selbst gesehen haben!
Den meisten Zuschauer dürfte lesbische Inzucht, Golden Shower, Sadismus, Kannibalismus, Nekrophilie, Vomerophilie/Emetophilie, Mord, Vergewaltigung, Bondage und sogar Frucht-Masturbation(das ist KEIN Scherz) wohl zuviel des "Guten" in einem Film sein und ein Gefühl von Ekel dürfte sich zwangsläufig einstellen.
Den Leuten den sich nicht bei der bloßen Beschreibung hier schon der Magen umdreht und die "hart im nehmen" sind sollten diesem Film eine Chance geben!

SINGAPORE SLING ist ein unglaubliches Neo-Noir Kammerspiel und wird von grade mal 3 Darstellern getragen die eine unbeschreibliche Performance liefern.
Fast schon glaubt man das diese im wirklichen Leben mindestens genauso Verrückt sein müssen um es so glaubhaft auf den Bildschirm transportieren zu können.
Hier ist besonders Meredyth Herold in der Rolle der Tochter hervorzuheben die einfach nur genial spielt und die Gratwanderung zwischen naiver Unschuld und sexueller Ausschweifung mehr als glaubhaft darstellt.
Michele Valley in der Rolle der Mutter kann aber auch vollends überzeugen und es ist eine wahre Freude ihr beim Spielen zuzusehen und vom Aussehen und in ihrer Performance erinnert sie einen doch stark an Helena Bonham Carter in einem Tim Burton Film.
Paralellen in der Charkaterzeichnung der Femme Fatales in SINGAPORE SLING zu Kaneto Shindô's ONIBABA-DIE TÖTERINNEN sind hier nicht von der Hand zu weisen und auch die besondere Art von Idylle und die permanente Beklemmung wie in ONIBABA treffen hier zu.
Die im Film gezeigte Abendessen Szene wirkt als hätte man es mit einer feministischen Variante der Sawyer Familie zu tun und könnte evetuell eine direkte Reminiszenz an TEXAS CHAINSAW MASSACRE mit einem Schuß DAS GROßE FRESSEN sein.

Wie in anderen Vertrettern des Film Noir markieren auch hier verwobenen Rückblenden und sexuellen Szenarien den Weg und auch Rückblenden und selbstbewusste Erzählung mit dem Wunsch ihre sehr subjektiven Erzählungen zu motivieren sind vorzufinden.
Der Score und Sound der im Film Verwendung fand darf hier auch nicht unerwähnt bleiben.
Der Score selbst wird von klassischer Musik von Giaches de Wert und V.Rachmaninov dominiert aber auch ein Swing Stück von Glen Miller nimmt hier einen Platz ein.
Wenn im Film keine Musik zu hören ist, wird man unaufhörlich mit dem Klang des Regensturms beschallt der das manische Gefühl von Klaustrophobie geschickt verstärkt.
Dies wird sich für die meisten Leser anhören als wäre der ganze Film und sein Plot nichts anderes als ein unverfrorener Schock was es auch ein wenig trifft, aber in einem Interview hat Nikos Nikolaidis einst angemerkt das er 
mit SINGAPORE SLING eine schwarze Komödie machen wollte und wenn man den entsprechenden Humor hat kann man diese Aussage durchaus so im Raum stehen lassen.
In der heutigen Zeit in der viele Regisseure zu einer Parodie und Karrikatur ihrer selbst werden ist es eine wahrhaftige Freude über einen Film wie SINGAPORE SLING zu "stolpern"!

So sehr der Film auch eine rabenschwarze Parodie ist, bietet er dem Zuschauer auch eine verzerrte Variante eines liebevollen,lyrischen Tongedichts welches in einer krassen und berauschenden Gegenüberstellung mit Ketten, Leder, 
Blut, Spitze, wehenden Vorhängen, Elektroschocks,Urin, Masslosigkeit und Ekel steht. 
Aber auch in seiner ganzen Abscheulichkeit und Grausamkeit merkt man dem Film zu jeder Zeit an das Nikolaidis sein hier vorgelegtes Werk trotz des Nihilismus und der auswegslosen Narrativität liebt und es ihm am Herzen liegt 
dies auch dem Zuschauer zu vermitteln.
Fans des verstörenden Films werden SINGAPORE SLING bejubeln und werden das Gesamtpaket lieben da garstiger Voyeurismus der hier eingebettet in Exzessen ist genau ihren Gusto treffen dürfte. 
Wirklich sehr interessant und ansprechend ist ohne Zweifel die narrative Art des Films und deren Umsetzung.
Der männliche Hauptprotagonist ist die meiste Zeit im Film halb bewustlos und man hört ihn aus dem Off als Sprecher fungieren.
Der weibliche Cast hingegen geht einen Schritt weiter und als Narrator fungierend erzählen uns diese was passiert ist oder nun passieren wird.
Oft wird dies auch auf die Spitze getrieben in dem sie mitten im Satz abbrechen und diesen 2 bis 3 mal wiederholen, so als würden sie vor der Kamera proben bis sie den für sich als perfekt befundenen Take im Kasten haben.
Der Spannungsbogen des Plots kann von der ersten bis zur letzten Minute gehalten werden und zeigt nur wie ausgefeilt das effektive Script hier seine Wirkung entfaltet. 

 

 

Einmal im Sog von SINGAPORE SLING gibt es hier nicht nur für die Darsteller sondern auch für die Zuschauer keinen Ausweg mehr!
Der Film steigert sich mit zunehmender Laufzeit immer mehr bis er in einem Freud'schen und PSYCHO-esken Finale gipfelt.
SINGAPORE SLING nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise in die tiefen und kranken Abgründe der menschlichen Seele; es fühlt sich an als würde man auf einer Klippe stehen und jemand wird einen jeden Moment hinunterschubsen in den Abgrund des Wahnsinns.
Aber anstatt am Ende des Films von dort weggezogen zu werden wird man einfach vor dem Abgrund alleine stehen gelassen!
Es gibt weniges vergleichbares wie diesen Film hier; höchstens Filme wie SUBCONCIOUS CRUELTY, BOY MEETS GIRL, THE HOLY MOUNTAIN oder VIVA LA MUERTE würde ich persönlich in einem Atemzug mit SINGAPORE SLING aufzählen!
Für mich ist der Film ein kleines, unbekanntes Juwel welches weltweit wesentlich mehr Beachtung verdient hat; ein absolutes Meisterwerk des transgressiv-psychotronischen Kinos!
Schade das es der Film bisher auf DVD zu keiner Auswertung in Deutschland geschafft hat und bisher nur einmal auf Arte im Jahr 2007 eine Ausstrahlung hatte!
Ich finde SINGAPORE SLING wäre bestens beim Label BILDSTÖRUNG aufgehoben und hoffe das es irgendwann mal eine deutsche VÖ gibt. 

 

Ein Film der ohne Zweifel mehr Tabubrüche auf dem Kerbholz hat als Ulli Lommel oder Uwe Boll schlechte Filme!

Ein Meisterwerk und absoluter Geheimtipp!

10 von 10 Cocktailgläsern