Originaltitel : Zeder

Herstellungsland : Italien

Erscheinungsjahr : 1983

Regie : Pupi Avati

Darsteller : Gabriele Lavia,Anne Canovas,Paola Tanziani,Cesare Barbetti,Bob Tonelli u.a.

Laufzeit : 95:20 Minuten

Freigabe : FSK 16

 

Label : CMV

Story :

Frankreich, 1956 :
In einem Anwesen scheint es zu spuken und die Toten kehren unter die Lebenden zurück.
Diese Anwesen liegt in einem sogenannten K-Gebiet und in diesen Zonen ist das zurückkehren von Toten
nichts außergewöhnliches.
Diese K-Gebiete wurden von dem Priester Paolo Zeder entdeckt und erforscht bis zu seinem mysteriösem 
verschwinden.

27 Jahre später in Bologna, Italien :
Der Schriftsteller Stefano bekommt von seiner Freundin Alessandra zum Jahrestag eine gebrauchte
Schreibmaschine geschenkt, welche sie mit ihrer Mutter in einem Auktionshaus ersteigern konnte.
Schon in der ersten Nacht macht er sich dran auf dieser etwas zu verfassen, doch das Farbband scheint zu haken 
und er zögert nicht sich des Problems anzunehmen.
Durch Zufall entdeckt er das auf dem Farbband noch vereinzelte Fragmente von Texten zu erkennen sind
die wohl der Vorbesitzer der Schreibmaschine verfasst hatte.

Diese Textüberbleibsel sprechen von K-Zonen und durch einen befreundeten Professor der sich auch mit Mythologie
beschäftigt findet Stefano schnell heraus was es mit diesen K-Gebieten auf sich hat.
Paolo Zeder's Spur führt Stefano und Alessandra nach Rimini wo sie weitere Recherchen vornehmen und es scheint so als hätte es mit den K-Gebieten
weitaus mehr auf sich als es zuerst den Anschein macht.

Bewertung :

Guiseppe "Pupi" Avati hat in seiner Karriere als Regisseur mehr als 50 Filme gedreht.Darunter befinden sich Komödien,Actionfilme,Dramen,Biopics und auch Horror.
Seinen ersten großen Erfolg im Horrorgenre konnte er im Jahr 1976 mit DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER verzeichnen.
Pupi Avati's ZEDER wird in Fankreisen wie ein kleines Juwel gehandelt und von den meisten in den höchsten Tönen gelobt.
Ich muss vorweg sagen das ich persönlich mir ein wenig mehr aufgrund dieser "Lorbeeren" versprochen hatte.
ZEDER ist schon ein Film den man weiter empfehlen kann da er solide Unterhaltung bietet; Leute die aber zuvor DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER gesehen haben sollten ihre Erwartungen hier ein klein wenig runterschrauben.
Es ist nicht so das ZEDER ein langweiliges oder gar dilletantisches Produkt wäre; mir persönlich fehlte nur ein wenig das gewisse Etwas, der Kniff.

Nun aber zum positiven :
Mit seinen 95 Minuten Laufzeit gelingt es dem Film konstant den Spannungsbogen zu halten und beim Anschauen zieht es einen immer tiefer in den Bann der Story; auch wenn dieser Plot doch recht simpel ist und im Finale,welches mich ein wenig an FRIEDHOF DER KUSCHELTIERE erinnerte, ohne großen "Wow" Effekt auskommt.
Avati hat hier routiniert einen Genremix in Szene gesetzt welcher sich beim Thriller,gothischem Horror und Giallo bedient und ein wenig Zombiehorror injiziert.
Aufgrund seiner übernatürlichen Elemente und der unheimlichen Atmosphäre kann man ZEDER wohl am ehesten als Horrorthriller einstufen; eine Gruseltragödie in 3 Akten.

Im ersten Akt des Films, dem Prolog der im Jahre 1956 spielt, wird dem Zuschauer offenbart mit welchen übernatürlichen Kräften und Ereignissen man es hier zu tun;quasi eine kurze Bestandsaufnahme auf das, was uns noch bevorsteht.
Im zweiten Akt, der im Jahre 1983 in Bologna einsetzt, lernen wir Stefano kennen, der wesentlich unwissender ist als wir es als Zuschauer sind und wird erst noch in den Sog der K-Gebiete gezogen werden.

Hier möchte ich dann auch noch einmal auf die Giallo Elemente zurückkommen, denn ZEDER greift auf ein bekanntes Schema zurück, 
welches bei vielen Gialli zum tragen kommt.
In vielen Gialli findet der Hauptprotagonist nämlich ein Artefakt wie z.B. ein Foto, ein Gemälde, eine Seite aus einem Buch 
oder gar einen Fetzen eines Kleidungsstücks.
Und dieses Artefakt, in unserem Fall ein Farbband einer Schreibmaschine, beinhaltet ein Rätsel welches es zu lösen gibt ohne bereits die Antwort zu beinhalten.

Im dritten Akt des Films erlangt Stefano dann das Wissen über das wir schon seit dem ersten Akt verfügen und der Film rückt immer näher in Richtung "tragisches Finale".Denn dieses erlangte Wissen des Protagonisten fordert seinen Tribut; ein Opfer welches Stefano für seine erfolgreichen Recherchen bringen muss.



Die darstellerischen Leistungen in ZEDER sind durchaus sehr gut und Gabriele Lavia hat u.a. ja auch schon in Argento's DEEP RED, INFERNO und SLEEPLESS mitgespielt.
Auch die französin Anne Canovas in der Rolle der Alessanda macht eine durchaus gute Figur und hat später u.a. auch in DER RICHTER VON MARSEILLE,PRET-A-PORTER oder EINE AFFÄRE IN PARIS mitgewirkt.

Zweifelsohne sollte man hier den sehr tollen Score erwähnen!
Dieser stammt vom Veteran Riz Ortolani der versiert sein Können einsetzt um einen atmosphärischen Soundtrack zu schaffen, der seinen anderen bekannten 
Kompositionen (wie z.B. für CANNIBAL HOLOCAUST, DER SCHLITZER, MONDO CANDIDO, DONT TORTURE A DUCKLING oder AFRICA ADDIO) 
in nichts nachsteht und unverkennbar Ortolani's Handschrift trägt.
Der Score wird hier sorgsam eingesetzt aber verbreitet durch seine "hektischen" Klänge beim Zuschauer eine innere Unruhe; es hört sich in etwas so an als hätte die Band GOBLIN hier ihre eigene Version vom Titelstück von DER WEISSE HAI eingespielt.

Auch wenn in ZEDER einige Diskrepanzen wahrzunehmen sind ( z.B. das Dr. Meyer im Film ein Schüler von Professor Chesi war, 
beide aber in etwa im gleichen Alter sein dürften) schaden diese Logiklöcher dem Film nicht und er funtioniert doch recht gut.
Fast die gesamten Charaktere im Film agieren irgendwie oft unlogisch und für den Betrachter seltsam anmutend was sich aber gut in das Gesamtkonzept des Films einfügt.

Die hier eingefangenen Bilder sind aber über jeden Zweifel erhaben, seien es die Kameraeinstellungen, die Sets oder auch die Ausleuchtung der Sets, und stehen den Werken von Avati's bekannteren italienischen Kollegen wie z.B. Mario Bava oder Dario Argento in nichts nach.

Ich habe selbst schon oft gelesen das Leute mit ZEDER anfänglichst Probleme haben was die Logik betrifft aber der Stellenwert nach mehrmaligem Betrachten zunahm.
So vermute ich das auch ich nach jedem erneuten Anschauen des Films diesen nicht mehr so als "sperrig" empfinden werde und sich mir nach und nach immer mehr Details
eröffnen werden.Und dies dürfte dann zur Folge haben das auch die teilweise abwegige Logik abnimmt.

Auch wenn mir DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER besser gefallen hat, werde ich bei ZEDER nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen und dem Film in wohl nicht 
allzu ferner Zeit einen erneuten Durchauf gestatten.


7 von 10 Olivetti Schreibmaschinen