Originaltitel : 100 Tears

Herstellungsland : USA

Erscheinungsjahr : 2007

Regie : Marcus Koch

Darsteller : Raine Brown,Joe Davison,Georgia Chris,Jack Amos u.a.

Laufzeit : 92:41 Minuten

Freigabe : ungeprüft (Deutschland), NC-17 (USA), 16 (Frankreich)

Story :

Seit über 20 Jahren macht der sogenannte "Tears Killer" - der nach jedem Mord eine namensgebende Träne auf die Wand des Tatorts malt - Florida unsicher und 168 Opfer gehen auf sein Konto.
Trotz intensiver Recherchen konnte die lokale Polizei ihm nie auf die Spur kommen und das Handwerk legen - es wird gemunkelt das der eigentliche Killer schon lange tot sei und es sich um Trittbrettfahrer handelt.
Mark und Jennifer, die beide als Reporter für das Boulevardblatt "Midnight Star" schreiben, suchen nach einem reißerischen Aufhänger für eine Titelstory.
Bei ihren Recherchen über Serienkiller stoßen sie auf den Fall des "Tears Killer", was den perfekten Aufhänger für ihre Story bietet.

Wie der Zufall es will hat der Killer grade erst wieder zugeschlagen und die Insassen eines Rehabilitationszentrum für Drogenabhängige auf blutig-grausame Art dezimiert.
Mark und Jennifer suchen den Tatort auf und von der einzigen Überlebenden erfahren sie das es sich beim Mörder um einen Clown mit überdimensionalem Fleischerbeil handelt.
Ein Wanderzirkus soll den beiden helfen mehr herauszufinden und durch den kleinwüchsigen Drago bekommen sie die benötigten Informationen.

Beim Killer-Clown handelt es sich um Gurdy, dem vor 20 Jahren zu Unrecht eine Vergewaltigung angelastet wurde.
Dieser Vorfall ließ den sonst sympathischen jungen Mann zu einer eiskalten Tötungsmaschine mutieren vor der niemand sicher ist.
Und nun ist Gurdy zurück in der Stadt und verseztz die Einwohner erneut in Angst und Schrecken....

Bewertung :

Clowns sind beliebte Spaßmacher im Zirkus und auf Kindergeburtstagen, die aber auch in unregelmässigen Abständen Einzug in das Horror-Genre halten.
Nach Stephen Kings ES, CLOWNHOUSE und KILLER CLOWNS FROM OUTER SPACE läßt auch Marcus Koch in seinem 100 TEARS den Freudenstifter zum Killer mutieren.
Koch, der vor 100 TEARS schon bei FELL, ROT und SNUFF PERVERSIONS Regie führte, ist in der Indie-Szene kein Unbekannter der vorallem durch seine Arbeit als Special-FX-und Make-Up Artist auf sich aufmerksam machen konnte.
Die Liste der Filme wo er Reqisiten und blutige Effekte zu beisteuerte ist lang und Titel wie NIKOS THE IMPALER, TOXIC AVENGER 4, THE UH-OH SHOW, SWEATSHOP oder THE THEATER BIZARRE sollten dem Horror-Fan ein Begriff sein.

Auch bei 100 TEARS war Marcus Koch für die Effekte selbst verantwortlich und diese tragen zweifelsohne seine blutige Handschrift.
Allein schon die Mordwaffe des Clowns - welches das wohl größte und epischste Fleischerbeil der Filmgeschichte ist - lässt keine Zweifel aufkommen das hier auf Gore und Splatter bezogen keine Gefangenen gemacht werden.
Gorehounds und Splattermaniacs kommen hier vollends auf ihre Kosten, wenn das Beil in Gliedmaße und Köpfe eindringt und diese fein säuberlich durchtrennt und amputiert.
Bei 100 TEARS fließt der rote Lebensaft in Strömen und für lau gibt es sogar noch eimerweise Eingeweide obendrauf.

Wer nun aber denkt das 100 TEARS außer einer Aneinanderreihung von sinnlosen Splatter-FX nichts weiteres zu bieten hat, liegt definitiv falsch!
Sicherlich bedient man sich auch hier einiger bekannter Elemente des Slasher- und Serienkiller Genres, doch verleiht Koch dem ganzen einige neue Impulse.
So gibt es nach ca. 60 Minuten Laufzeit nämlich einen Storytwist, den der Zuschauer so nicht erwartet und der für kurzweilige und willkommene Abwechslung sorgt.

Man darf natürlich nicht aus den Augen lassen das es sich hier um eine Low-Budget Produktion handelt, die grade mal 75.000 $ gekostet hat und in Anbetracht dessen kann man 100 TEARS als sehr gelungen bezeichen.
Auch wenn Marcus Koch hier mit einem gesunden Maß an Profesionalität ran ging nimmt der Film sich selbst nicht wirklich ernst - die zotigen Sprüche und One-Liner sitzen und laden mehr als nur einmal zum Schmunzeln oder Lachen ein.
Hierbei darf aber nicht unerwähnt bleiben das die deutsche Synchronisation genau diesen Wortwitz nicht gut zu transportieren weiß und den Film seiner Substanz beraubt.
Dies kann ich aus eigener Erfahrung bestättigen, da auch ich 100 TEARS zuerst in der deutschen Fassung sah und wenig begeistert war!
Das dürfte letztendlich auch der Grund sein warum man des öftern deutschsprachige Rezensionen liest in denen der Film getadelt und schlecht bewertet wird.
Diese Kritiken sind vollkommen ungerechtfertigt und man kann hier weder Marcus Koch noch den Protagonisten vorwürfe machen - bravourös wurde hier von allen Involvierten eine tolle Leistung gebracht.
Ich kann hier nur an die Vernunft der Leser appelieren sich 100 TEARS im englischen O-Ton (ggfs. mit den deutschen Untertiteln) anzuschauen, da sich dies sehr aufwertend auf den Film auswirkt!

Storytechnisch erwartet man im Vorfeld wahrscheinlich nicht wirklich viel von diesem Film, doch auch hier kann man einige erfrischende Unterschiede bemerken.
Zu Beginn von 100 TEARS wird dem Zuschauer schon ein kleines Fragment vom Finale preisgegeben, welches sich aber anders entpuppt als es am Anfang noch den Anschein macht.
Rückblickend wird dann parallel auf zwei Handlungsebenen - welche später fusionieren - dem Clown und dem Reporterpaar gefolgt.
Ein kleines Manko hat das Script aber dann doch inne und es wirkt doch etwas unrealistisch.
Das z.B. der Killer seit 20 Jahren sein Unwesen treibt, die Polizei nicht einen einzigen Anhaltspunkt finden konnte und die Reporter grade mal 2 Tage dafür benötigen wirkt schon etwas unrealistisch.
Das hier teilweise nicht zuviel Wert auf Logik gelegt wurde ist spürbar, aber trübt den Filmgenuß nicht zu sehr - in Filme muss auch nicht immer alles 100% logisch oder realistisch sein um Spaß zu gewährleisten!

Kameratechnisch bewegt man sich auf sicherem Boden und es gibt sogar einige optisch ansprechenden Verfremdungseffekte zu sehen, die zu überzeugen wissen.
Ein kleiner Wehrmutstropfen bezüglich der Kamera ist lediglich das Finale, da dort alles etwas dunkel geraten ist und eine bessere Ausleuchtung der Lagerhalle wäre hier dienlich gewesen.

Einige der Darsteller dürftem dem versierten Indie-Fan übrigens bekannt sein und neben Joe Davison (TIMO ROSE'S BEAST, FEARMAKERS) und Georgia Chris (THE TENANT, JUST ANOTHER DAY, VAMPIRE BIKER BABES) spielt hier auch Raine Brown (BARRICADE, DARKNESS SURROUNDS ROBERTA, PSYCHO HOLOCAUST, GAME OVER) eine tragende Rolle.
Wer diese Protagonisten aus anderen Produktionen kennt, weiß das diese für routiniert-glaubhafte Leistungen stehen.

Musikalisch wird bei 100 TEARS definitiv Abwechslung geboten und die Bandbreite reicht von Zirkus-Polka, über instrumentalen Hip Hop bis hin zu hartem Rave Techno.
Mir selbst hat dabei der Song "When You're Evil" von Voltaire gefallen, den man schon in den Opening Credits zu hören bekommt.
Voltaire's Musik hört sich an als würde man die Violent Femmes mit Tom Waits kreuzen und "When You're Evil" hat Ohrwurmqualitäten.

Zuletz möchte ich noch einmal auf die Splatter-Fx zurückkommen und erneut anmerken das die nach oben offene Gore-Richterskala vollkommen ausgereizt wurde.
Auch wenn diese ab und an mal ein wenig unrealistisch aussehen, sind sie trotzdem überzeugend und lassen keine Wünsche offen!

Filmfreunde die sich mit Low-Budget und Indie Produktionen anfreunden können und Wert auf den exzessiven Einsatz von Filmblut und künstlichen Gliedmaßen legen, kommen hier voll auf ihre Kosten!
Mir hat der Film im O-Ton 92 vergnüglich-blutige Minuten bereitet und mein Fazit lautet :

7 von 10 Tränen

Ein Dank geht an Elmar Berger von Manic Entertainment, der bei 100 TEARS als Produzent fungierte und mir einen Screener des Films zur Verfügung gestellt hat! :Up: