Originaltitel : Hunting Season

Herstellungsland : USA

Erscheinungsjahr : 2007

Regie : Nathan Wrann

Darsteller : Patrick Beck,Covenant Bohn,J. Brown,Will Cole,Paul Fedor, Michael Wrann u.a.

Laufzeit : ca. 94 Minuten

Freigabe : Unrated (USA)

Label : Dalton Gang Productions

Story :

6 befreundete College-Kids - 3 Jungs und 3 Mädels - wollen ein Wochenende in den abgeschiedenen Wäldern von Connecticut beim Camping auf privatem land verbringen.
Die Freunde haben sich geschworen es zum besten Wochenende ihres Lebens zu machen, zu dem natürlich auch das ein oder andere Bier, etwas Schnapps und Sex dazugehört.
Schnell hat die Gruppe eine idyllische Lichtung gefunden und sie beschließen ihre Zelte dort aufzuschlagen.
Während der an den Rollstuhl gefesselte Tyler sich weiter um den Aufbau der restlichen Zelt kümmert und Keegan's Freundin Alicia ein Nickerchen hält, verschlägt es Mel und Alicia zum Feuerholz sammeln in den Wald.
Um die Kühlbox mit den Getränken zu holen, tretten Keegan und Andrew den Weg zum Auto an.

Dort stellen sie mit Schrecken fest, das ihr fahrbarer Untersatz ein Leck im Tank hat und nicht mehr anspringt.
Nicht weit von ihrem Auto ist ihnen bei der Ankuft ein Pick-Up aufgefallen der am Wegesrand geparkt den sie aufsuchen um den Fahrer um Hilfe zu bitten.
Doch der Fahrer zeigt sich wenig hilfsbereit und in einem Streit eskaliert die Situation.
In abgeblicher Notwehr erschlägt Andrew den Jäger mit einer Axt, nichtsahnend das sich noch zwei Freunde des Jägers ebenfalls in den Wäldern befinden.
Diese zwei Jagdkollegen haben zwischwenzeitlich auch schon das Zeltlager entdeckt, bedrohen Tyler und belästigen die schlafende Alicia sexuell.

Als Tyler seinen Freunden von diesem Zwischenfall berichtet, will ihm keiner so recht glauben schenken.
Doch noch am selben Abend müssen die anderen mit Schrecken feststellen das Tyler die Wahrheit gesagt hat, denn die beiden Männer haben die Jagd auf College-Kids eröffnet......

Bewertung :

Mit HUNTING SEASON feierte Nathan Wrann (BURNING INSIDE) seinen Einstand als Regisseur und hat mit einem Budget von geschätzten 5000 $ einen Indie-Beitrage gedreht der zu überzeugen weiß.
Von der Inhaltsangabe mag sich das ganze Szenarion für die meisten nun nach einem 08/15 Backwood-Slasher anhören, doch dem ist zum Glück nicht so.
Anstatt auf längst ausgetrampelten Pfaden zu wandeln in dem eine Gruppe Teenager nach "Schema F" im Unterholz von einem oder mehreren Aggressoren gejagt und blutig zur Strecke gebracht wird, setzt Regisseur Wrann hier auf Substanz und Eigenständigkeit.
Auffällig und erfrischend ist, das Nathan Wrann sich für HUNTING SEASON nicht von den bekannten Kult-Slashern inspirieren ließ, sondern dem Terror-Kino und Filmen wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE, HOUSE ON THE EDGE OF THE PARK oder OPEN SEASON Tribut zollt.

Genre-Fans die großen Wert auf unverzüglichen Einsatz von Action und Blut legen, ist von HUNTING SEASON wohl eher abzuraten.
In der ersten Hälfte von HUNTING SEASON wird nämlich großen Wert auf das gelegt, woran es der gängigen, uninspirierten Massenware zum Großteil mangelt : eine ausgefeilte Charakter- und Storyentwicklung.
Dies bedeutet aber nicht, das einem in den ersten knapp 45 Minuten außer Dialogen nichts geboten wird - auch in der ersten Hälfte bekommt der Zuschauer in kleinen Fragmenten schon einen Vorgeschmack auf den cineastischen Terror der sich mit fortschreitender Laufzeit ausbreiten wird.

Sehr interessant bei HUNTING SEASON ist auch der moralische Aspekt, über den die Akteure schon zu Beginn des Films diskutieren.
Es stellt sich nämlich die Frage inwiefern es ethisch vertrettbar ist während der Jagd ein Tier zu töten, oder aus Notwehr oder Rachegelüsten heraus sogar einen Menschen.
Im späteren Verlauf des Films wird dem Zuschauer dann auch bewußt, wie wichtig dieser Aspekt für beide Seiten - Jäger und Gejagte - ist, wenn das Terror-Szenario seinen Lauf nimmt.

Durch das eingeschränkte Budget sieht man natürlich das es sich um einen B-Movie handelt, was aber nicht bedeutet das der Zuschauer mit unbegrenzter, dilletantischer Naivität konfrontiert wird.
Der Regiedebütant war sich der Fehler den die meisten machen bewußt und konnte diese gängigen Mängel gekonnt umgehen.
Dies gelingt in erster Linie durch die Storyentwicklung die mit voranschreitender Laufzeit immer mehr zu einem perfiden Katz-und Maus Spiel mutiert - dem Zuschauer offenbart sich ein unerbittliche Tour de Force die einen kohärenten Kontrast in Brutalität und Spannung bietet.
Die Gewaltdarstellungen in HUNTING SEASON sind eruptiver Natur die sich immer mehr steigern und hier wurde nicht grade zimperlich zur Sache gegangen - dies artet aber nie in Selbstzweckhaftigkeit aus und die blutigen Details sind eine Notwendigkeit.

Auch wenn die Charaktere in HUNTING SEASON konträr sind und der Zuschauer ein gewisses Maß an Antipathie für einige verspürt, merkt man trotzdem das Nathan Wrann diese am Herzen liegen.
Grade diese Gegensätzlichkeit macht die Charaktere interessant, verleiht ihnen Tiefe und Konfliktsituationen die dem Spannungsaufbau dienen sind vorprogrammiert - man denkt zu Beginn fast, das der "Feind" der Gruppe in den eigenen Reihen zu finden ist.
Im Gegensatz zu den sonst vorzufindenden stereotypischen Protagonisten im Backwood-Horror haucht Nathan Wrann den Figuren in seinem Debüt leben ein und dadruch erscheinen diese nicht so austauschbar wie in anderen Produktionen.
Ungeschönt mit allen Ecken und Kanten werden uns diese präsentiert, auch wenn dabei die Gefahr besteht das ein Charakter durch eine eventuell grenzwertige Moralvorstellung dem Zuschauer unsympathisch ist - dies kann aber letztendlich dann jeder für sich individuell entscheiden.
Eine konsequente, begrüßenswerte Entscheidung war auch, das man es hier nicht mit einem maskierten Serienkiller zu tun hat der sich munter durch die heimischen Wälder meuchelt.
Dadurch das die Aggressoren in HUNTING SEASON nicht die stereotypischen Killer mit übernatürlicher Präsenz und Stärke sind, wirken sie authentischer und greifbarer auf den Zuschauer.

Kameratechnisch gibt es hier nicht zu bemängeln, außer das HUNTING SEASON in den Nachtszenen stellenweise etwas dunkel ist und der Zuschauer nicht alles erkennt.
Da sich dadurch aber ein Gefühl von eingeschränkter Sicht und Klaustrophobie etabliert, denke ich das dies von Nathan Wrann so gewollt und durchdacht war, um den Zuschauer mit dem psychologischen Terror den das stockdüstere, unbekannte Areal vermittelt zu konfrontieren.
Grade in diesen dunklen Passagen des Film wird auch vermehrt der Fokus auf grafische Gewaltdarstellungen gerichtet und diese Kombination verleiht HUNTING SEASON einen düsteren, authentischen Look.
Komplettiert wird das ganze durch den Score des Films, der in der Phase des puren,nächtlichen Terrors seine volle Stärke zur Geltung bringen kann.
Dort kommen ausschließlich abstrakte Soundcollagen und Klangbilder zum Einsatz, die den Zuschauer ein extrem unbehagenes Gefühl bescheren und an den Rand des Wahnsinns treiben.
Ab und an gibt es Kameraeinstellungen zu sehen, die leicht verwackelt wirken oder wo gegen das Sonnenlicht gefilmt wurde - ob dies beabsichtigt war oder lediglich kleine Fehler bei der Inszenierung vermag ich nicht zu beurteilen.
Fakt ist aber, das dies den Film einen kleinen Touch eines "Found Footage" Films gibt und somit wieder für Authentizität sorgt.

Da sich die gängigen Backwood-Horror Beiträge der letzten Jahre vorwiegend im cineastischen Phrasendreschen verlieren und mit ihren maskierten Killern nichts neues bieten, sollte der Genre-Fan einen Blick bei HUNTING SEASON riskieren.
Bei HUNTING SEASON mag man storytechnisch zwar auch nichts komplett Neues serviert bekommen, doch Nathan Wrann hat viel Wert auf die Aspekte gelegt die sonst meist vernachlässigt werden und einige Major-Studios können sich hier mal getrost eine Scheibe abschneiden.

7,5 von 10 Jagdgewehren

Hunting Season Homepage

Ein Dank geht an Elmar Berger von Manic Entertainment, der mir einen Screener des Films zur Verfügung gestellt hat! 

 

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