Originaltitel : Koroshiya 1

Herstellungsland : Japan

Erscheinungsjahr : 2001

Regie : Takashi Miike

Laufzeit : 123:26 Minuten (Uncut)

FSK : ungeprüft (Uncut DVD von Raptor)

Story :

Japan.

Wie jeder echte Asien-Filmfreak weiß, hausen hier die Yakuza, der japanische Arm des organisierten Verbrechens. Yakuza sind, zumindest im Film, die cooleren Kinogangster.
Zwar sind auch die verbrecherischen Pizzabäcker und auch die China-Triaden nicht gerade unspannend bei ihren (Un-)Taten zu betrachten, aber die haben halt nicht diese ultracoole Art und so geile Ganzkörpertatoos wie die japanischen Kollegen.
Anjo, der Chef einer Yakuzagruppe, ist verschwunden. Mit ihm fehlen zudem eine Nutte und lächerliche 100 Mio. Yen. Die Aufregung ist groß und so machen sich einige seiner Jungs, angeführt von einem gewissen Kakihara auf die Suche nach ihrem Boss.

Und dieser Kakihara ist ein unglaublicher Kerl : 

Blondierte Haare sehen bei Asiaten ja immer etwas bizarr aus, bei ihm ist dies aber noch das optisch harmloseste oberhalb seines Halses.

Genau gesetzte Narben als Schmuck im Gesicht sowie zwei Schlitze in den Backen die nur durch 2 Piercingringe zusammengehalten werden, lassen jedes VIVA-Girlie vor Neid erblassen.

DAS ist Body-Culture! 

Und sein Äußeres ist noch das Netteste an ihm. Als bekennender Sado-/Masochist (in einer Person!) garniert er seine Suche nach Anjo erstmal mit äußerst üblen Befragungspraktiken an einem armen "unschuldigen" Yakuza-Günstling.
Langsam kommen er und seine Mannen auf eine heiße Spur: der berüchtigte Killer ICHI soll Anjo beseitigt haben.

Je mehr Kakihara über diesen angeblich absolut gnadenlosen und sadistischen Killer erfährt, umso mehr fasziniert ihn dieses Phantom.

So foltert er sich auf der Suche nach Ichi brutal durch die Unterwelt Tokios.

Die Wahrheit sieht aber anders aus: Ichi als Person ist mehr ein Killerdackel!

Der junge Mann ist eine willenlose Marionette des Ex-Anjo-Gang -Members Jijii, der ihm per Hypnose eingeredet hat, das er bei einer Vergewaltigung eines Schulmädchens in seiner Jugend tatenlos zugesehen hat.
Seine Unfähigkeit eingreifen zu können, macht aus Ichi so etwas wie einen tragischen Superhelden, der Gangster (natürlich von Jijii ausgesucht) übelst mit an Schuhen befestigten Klingen zerfetzt. 
So langsam nähern sich die Pfade von Kakihara und Ichi und es kommt zu einem äußerst schrägen Showdown in einen Hochhaus.

Doch bis es dazu kommt, wird gefoltert und getötet was das Zeug hält....

Bewertung :

Crying Freeman auf Xtasy! Dies passt wohl am besten, wenn man sich die Story so durchliest.
Auf der Leinwand sieht das aber dann ganz anders aus. Nahezu keine der Figuren in ICHI ist als "normal" einzustufen. So ziemlich jeder hier ist gewalttätig veranlagt, kriminell und gegebenefalls auch total durchgeknallt.
Da es sich bei dem Film um eine Manga-Realverfilmung handelt, kann man Takashi hier wahrlich bescheinigen, die bislang gelungenste Manga Comicverfilmung aller Zeiten abgeliefert zu haben.
Nur war die Vorlage eben kein Weichhupenkram wie "SPIDERMAN" sondern eben ein eh schon massiv umstrittener Sex- und Gewalt-Exzess aus der Feder von Hideo Yamamoto.
Die Lauflänge des Films ist für diese eher dünne Story sehr episch ausgewalzt, aber da die Zuschauer alle 10 Minuten eine total kranke Szene zu sehen bekommen, geht das schon in Ordnung und es kommt nahezu keinerlei Langeweile auf.

Hat man sich nämlich mal an die schräge Erzählweise und die originellen, wenn auch flach charakterisierten, Figuren gewöhnt (sofern sie natürlich noch nicht das zeitliche gesegnet haben) macht der Film gnadenlos Spaß, den richtigen Humor natürlich vorausgesetzt.
Die ja von vielen als "ultraheftig " beschriebenen Sex- und Gewaltszenen sind natürlich wirklich ein hartes Stück Brot, wobei die Inszenierung sich immer in Richtung Comic bewegt und das Empfinden der gezeigten Gewalt daher abgeschwächt wird.
Beispiel:

In einer Szene steht Kakihara vor seinen Clanchefs und soll Buße tun, für sein Fehlverhalten. Man gibt ihm zu verstehen, das ein oder zwei Finger als Sühne in diesem Fall wohl nicht genug seien. Kakihara sieht dies auch SOFORT ein und schneidet sich mal eben den gesamten vorderen Teil seiner Zunge (onscreen!!) ab!

Noch während die anwesenden Yakuza teils schockiert, teils kotzend versuchen wieder Luft zu holen, klingelt Kakihara´s Handy und....er geht sofort ran und quasselt mit heftig blutender Zunge los als wäre nichts gewesen.
Diese Szene ist nahezu typisch für die vielen Brüller, die der Film für ein entsprechendes Publikum bietet.


Der "normale" Zuschauer, der sich sonst eher den Herrn Ford und die Frau Bullock im Kino ansieht und "Ghost" für einen guten Film hält, dürfte äußerst schockiert sofort die nächste "BILD"-Redaktion benachrichtigen. 

Bei ISHI wird keinerlei Rücksicht genommen: Da werden Männer und Frauen aufs übelste gefoltert und ermordet und selbst vor kleinen Kindern wird kein Halt gemacht. 
Aber wie schon gesagt, das ganze wurde dermaßen überdreht und mit einem Augenzwinkern inszeniert, das dies irgendwie nie so unmoralisch oder gar hart rüberkommt wie es anhört.

Es sind halt alles irgendwie Manga-Figuren die da bluten und sterben und ähnlich wie in RIKKY-OH (aka STORY OF RIKKY, auch eine Manga-Verfilmung) tut es irgendwie auch nicht weh.
Das wird dann wahrscheinlich auch das größte Problem für die Fraktion der Gorebauern sein, die sich schon zum Frühstück ZOMBIE 90 gröhlend in der Endlosschleife geben.
Erschwerend kommt noch hinzu das Ishi´s Massaker an den Yakuza nur Offscreen stattfinden und man praktisch nur das Resultat sieht (obwohl Wohnungen in denen nur Blut, Gedärme und Körperteile rumliegen bzw. fließen auch schon recht grafisch daherkommen).

Nein, die wohl bei dieser Gruppe besonders ankommende Szene ist wohl eindeutig recht früh am Anfang auszumachen, wenn Kakihara einen armen Kerl auf die aller übelste Art und Weise foltert.

Danach gibt es dann eigentlich schon keine Steigerung in Sachen Gewalt mehr, was aber nicht heißen soll, das der Film im weiteren Verlauf harmlos abläuft.
Die Sexszenen laufen natürlich typisch japanisch ab, nie auch nur im geringsten explizit aber dafür mit brutaler Gewalt kombiniert und das allein dürfte schon empfindliche Gemüter aufs äußerste erhitzen.

Die Komik des Films funktioniert nur, wenn man sich auf diese einlässt.

Dann aber macht ISHI - THE KILLER trotz aller Härte wirklich Spaß und könnte ein kultiger Partyfilm für Hartgesottene werden.
Einen tieferen Sinn in der Handlung zu suchen ist nahezu zwecklos. Es geht bei ICHI mehr um die Schauwerte und die bizarren Einfälle, nicht um eine irgendwie geartete Message. Comic eben, wie auch schon bei FUDOH stehen hier wirklich nur Tabubrüche zum Vergnügen des Zuschauers bereit.
Grand Gouignol für das noch junge Jahrtausend.
ICHI -THE KILLER ist ein sehr spezieller, mit kaum etwas zu vergleichender Film, der ganz gewiß seine Fans haben wird.

Es wird aber auch genug Genre-Freaks geben die den Film hassen werden, allein weil ihnen vielleicht der entsprechende Humor fehlt oder ihnen die Inszenierung zu ausgeflippt und bekloppt erscheint. Aber so ist das halt bei Miike Takashi: entweder man liebt seine Filme oder man hasst sie und wer FUDOH schon nicht mochte, der braucht sich ICHI dann auch nicht unbedingt ansehen.
Obwohl ich den Film ganz große Klasse fand und ich mich prächtig dabei amüsierte, möchte ich ihm die Höchstnote verwehren, denn dafür ist er schon zu speziell. Ein Film von einem Freak, mit Freaks und auch nur für Freaks!

Erwartet nicht zu viel von ICHI aufgrund der Vorschußlorbeeren und ihr werdet euren Spaß haben.

9 von 10 Yum Yum Nudel