Originaltitel : Maniac

Herstellungsland : Frankreich/USA

Erscheinungsjahr : 2012

Regie : Franck Khalfoun

Darsteller : Elijah Wood,America Olivo,Nora Arnezeder,Liane Balaban,Morgane Slemp u.a.

Laufzeit : 86 Minuten

Freigabe : SPIO/JK: keine schwere Jugendgefährdung

Label : Ascot Elite

Story :

Frank ist ein junger, verschlossener Mann der ein zurückgezogens Leben lebt und schon in früher Kindheit eine durch seine promiskuitive Mutter implementierte Abnabelung erfahren mußte.
Durch diese frühkindliche Erfahrung hat er heutzutage ein eher gestörtes Verhältniss zu Frauen.
Frank restauriert Schaufensterpuppen in seinem Laden und diese Puppen scheinen die einzigen zu sein, die ihn verstehen und ihm Trost spenden.

Doch tief in Frank schlummert eine dunkle Seite, denn er ist ein kaltblütiger Killer.
Im Internet chattet er mit jungen Frauen und trifft sich mit ihnen.
Die Frauen sind meist auf schnellen Sex aus und überfallen den asexuellen Frank regelrecht, was letztendlich Frank wegen seiner traumatischen Kindheit nur in Rage versetzt.
Der introvertierte Mann hat es nämlich auf nur eine Sache abgesehen - ihren Skalp.
Diese Skalps sind als Supplemente für seine einzigen weiblichen Freunde - die Schaufensterpuppen die schon in seiner Kindheit die einzige Konstante für ihn waren - gedacht.

Als Frank die attraktive und junge Kunstfotografin Anna kennenlernt ändert sich alles schlagartig und Frank verliebt sich in die Französin.
Anna schafft es Killer immer mehr aus seinem abgeschottetem Leben heraus zu holen und das Leben zu geniessen.
Als Frank auf einer Kunstaustellung von Anna - für die er ein paar seiner Puppen zur verfügung gestellt hat - aber feststellt das die Französin ihm ihren Freund vorenthalten hat gerät Frank's Welt wieder aus den Fugen.

Immer mehr fällt er in sein altes Muster aus Obsession, Wahn und Tötungstrieb zurück.......

Bewertung :

Als bekannt wurde das Elijah Wood im Remake zu William Lustig's Kult-Slasher die Hauptrolle bekleidet, dürften die Reaktionen von Argwohn bis hin zu unliebsamen Gelächter gereicht haben.
Niemand konnte sich so recht vorstellen das der Hobbit mit den behaarten Füßen den Charakter des Frank Zito glaubhaft verkörpern könnte - selbst wenn Wood schon in SIN CITY unter Beweis stellte das man ihn nicht auf sein Schauspiel aus HERR DER RINGE reduzieren sollte.
Diese Skepsis kam nicht von ungefähr und allein schon die physisch-schmierige Präsenz von Joe Spinell aus dem Original ist schwer zu überbieten.

Regisseur Franck Khalfoun (P2-SCHREIE IM PARKHAUS, WRONG TURN AT TAHOE) konnte bei seiner dritten Arbeit als Regisseur diesen eventuell negativen Kritikpunkt aber geschickt umgehen.
Dadurch das man nämlich das Geschehen vorwiegend durch die Egoperspektive des Killers sieht - man sieht Wood lediglich in Flashbacks oder wenn er sich im Spiegel, Fenstern oder Fernsehern spiegelt - kommt ein direkter Vergleich zwischen Spinell und Wood erst garnicht zustande.
Dieses perspektivische Stilmittel ist auch genau das, was dem Remake neue Impulse verleiht - der Betrachter kann genug Distanz zu Vergleichen mit dem Original aufbauen und sich voll auf die Neuinterpretation des Slasher-Klassiker konzentrieren.
Anstatt aber einfach nur auf diese First-Person Perspektive zu setzten hat man dem ganzen noch das gewisse Etwas gegeben indem sich der Gemütszustand des Killers in diesen Einstellungen wiederspiegelt.
Ist Frank im Film entspannt bekommt der Zuschauer stimmige und ruhige Impressionen; befindet er sich aber in Erregung oder Wut gleichen die Bilder einem vernebeltem Trip am Rande der Bewusstlosigkeit.
Dies mag für den Betrachter im ersten Moment zwar gewöhnungsbedürftig sein, doch schon nach kurzer Eingewöhnungszeit hat man das Gefühl mitten in diesem Szenario zu sein und eine Verinnerlichung mit dem Mörder findet statt.

Auch wenn die Grundstruktur der Originals beibehalten wurde gibt es bei Khalfoun's Neuauflage einige marginale Änderungen und man bekommt einen tieferen Einblick in den Auslöser von Franks Trauma, seiner Asexuallität und seinen Hass auf Frauen.
Beim Vergleich mit dem Original fällt aber auch auf das bei Lustig die Charakterzeichnung etwas anders ausgefallen ist und die innere Zerissenheit von Frank durch seine Totalausfälle und die Selbstgespräche besser portraitier wurden - der neue Frank wirkt einfach greifbarer und etwas menschlicher.
Dadurch das man der Neuauflage aber ein neues Gewand verpassen mußte und Frank seine Opfer heutzutage in Chatrooms antrifft war Elijah Wood definitiv eine excellente Wahl.
Denn wenn man mal ehrlich ist : Welche Frau würde sich denn mit einem Sleaze-Brocken mit Bartstoppeln und ungewaschenem Haar wie Spinell es war über das Internet zu einem Date verabreden ?
Ein wenig aufgesetzt wirkt die eingeflochtene Lovestory zwischen Anna und Frank, was stellenweise dazu führt das der Killer an Glaubhaftigkeit verliert - eventuell war dies aber ja auch beabsichtigt um beim Zuschauer Empathie auszulösen.

Wirklich gelungen ist hier auch wie die Stadt L.A. portraitiert wird - von der neureichen High-Society die sich mit ihrem Geld in Glanz der Neonlichter suhlt gibt es nicht viel zu sehen und die heruntergekommenen,dunklen Ecken der Stadt rücken mehr in den Vordergrund.
Das Bild was man von L.A. bekommt stellt einen perfekten Kontrast zu Frank dar, der sich in den dreckingen und fast menschenleeren Strassen wohler fühlt.

Auf darstellerischer Ebene gibt es hier nichts zu kritisieren, alle Beteiligten liefern eine glaubhafte Performance ab und Elijah Wood kann hier erneut zeigen das viel mehr Potenzial in ihm steckt als manche glauben.
Nora Arnezeder(SAFE HOUSE) schafft es dem Charakter der Anna die notwendige Tiefe zu verleihen und fast schon glaubt man das sie es schaffen kann Frank aus seiner Einsamkeit und seinem lebensverneinenden Martyrium retten zu können.

Positiv hervorzuheben ist der vom Artist "Rob" komponierte Soundtrack, bei dem man sichtlich merkt das Jay Chattaway's Score zum Original MANIAC als Inspirationsquelle gedient haben dürfte.
Ohne hemmungslos zu covern und plagiatieren hat "Rob" einen grandiosen New Wave/Synthie Pop beeinflußten Score erschaffen, der den Spagat zwischen 80gern und "Up-to-Date" schafft und beim Zuschauer ein bedrohliches Gefühl auslöst.
Zu dem von "Rob" komponiertem Score gesellt sich dann ziemlich zu Beginn des Films noch das geniale "Goodbye Horses" von Q Lazzarus - dieses sollte dem geneigtem Horrorfan durch DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER bekannt sein, da Buffalo Bill zu diesem Song Make-Up aufträgt und seinen berühmten Tanz vor dem Spiegel zelebriert.

Beim MANIAC Remake kommen aber nicht nur die Fans von Slasher-und Serienkiller Filmen auf ihre Kosten und auch die Splatterfans und Gorehounds dürfen entzückt aufschreien.
Hier wird ohne jeglichen Distanzverlust erbarmunglos draufgehalten wenn Frank seine Opfer ihrer Kopfhaut beraubt das die Schwarte kracht - es grenzt hier fast an ein Wunder das die hiesigen Zensurbehörden den Film ohne Schnittauflagen haben passieren lassen und man fragt sich ob die FSK einen guten Tag hatte oder schlichtweg gepennt.

Somit gesellt sich MANIAC - neben EVIL DEAD, ROB ZOMBIE'S HALLOWEEN und I SPIT ON YOUR GRAVE - zu den wirklich sehens-und empfehlenswerten Remakes der letzten Jahre und auch der letzte Skeptiker kann überzeugt werden das man Elijah Wood nicht auf den Hobbit aus dem Auenland reduzieren sollte.


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