Originaltitel : Orphan Killer, The

Alternativtitel : Sibling: Marcus Miller the Orphan Killer

Herstellungsland : USA

Erscheinungsjahr : 2011

Regie : Matt Farnsworth

Darsteller : Diane Foster,David Backus,Matt Farnsworth,James McCaffrey,John Savage u.a.

Laufzeit : 83 Minuten (NTSC)

Freigabe : Unrated / Not Rated

Story :

Als Kinder werden Audrey und Marcus Miller zeuge wie ihre Eltern auf brutalste Weise von Einbrechern dezimiert werden.
Da sie keine näheren Verwandten haben werden die beiden in ein katholisches Waisenhaus abgeschoben.
Audrey scheint das Geschehene besser als ihr Bruder Marcus, der in einen katatonischen Zustand verfällt, verarbeiten zu können.
Als eines Nachts ein anderer Waisenjunge Audrey kitzel, flippt Marcus vollkommen aus und bearbeitet ihn auf brutalste Weise mit einem Baseballschläger.

 Dies hat zur Folge das die Nonnen des Waisenhaus ihn isolieren und zwingen eine furchteregende Maske zu tragen; die christlichen Ordensschwestern scheinen in dem jungen den Antichrist in Person zu sehen.
Als der Polizist der beim Mord der Millers am Tatort war Audrey adoptiert bleibt Marcus alleine im Waisenhaus zurück und ist weiter den Folterungen und Züchtigungen der Nonnen ausgesetzt.
Aus Marcus wird ein seelen-und skrupelloses Monster welches kaltblütig mordet und es gibt keinen anderen Weg als ihn für immer wegzusperren.

Das ehemalige Waisenhaus wurde zu einer katholischen Schule umfunktioniert und Audrey arbeitet als Choreographin mit den Schülern an gemeinsamen Aufführungen.
Ihr Bruder Marcus ist seit Jahren weggesperrt und hat sogar den zweifelhaften Ruhm einer urbanen Legende inne von dem die Kids an der Schule heute noch reden.

Doch Audrey konnte nie ganz mit der Vergangenheit und dem Schicksal ihres Bruders abschließen und leidet unter ständigen Wahnvorstellungen.
Nach einer Aufführung in der Schule nehmen genau diese Wahnvorstellungen in Form von Marcus Gestalt an, denn ihr Bruder konnte seiner Zelle entfliehen und jeder der sich zwischen ihn und Audrey stellt wird auf bestialische Art und Weise getötet.
Es dauert nicht lange bis die Anzahl der Toten in der Ordensschule nach oben schnellt und Audrey sich ihrer Vergangenheit stellen muss.

Bewertung :

Totgesagte leben ja bekanntlich länger und schon oft wurde der Slasher Film totgesagt. 
Doch grade in den letzten Jahren ereichten uns wieder Beiträge aus aller Welt zu diesem Subgenre des Horrorfilms und auch einige Klassiker wie z.B. NIGHTMARE ON ELM STREET oder FRIDAY THE 13TH erfuhren ein Remake.
Unter dieser Schwemme an Filmen befanden sich einige Beiträge, wie HATCHET oder LAID TO REST, die durchaus als gelungen zu bezeichen und auch recht blutig ausgefallen sind.

Mit THE ORPHAN KILLER hat Matt Farnsworth (IOWA, DYING FOR METH) definitiv einen der härtesten und blutigsten Filme dieser "New Wave of Slasher Movies" der letzten Jahre geschaffen und dort wo z.B. LAID TO REST in Sachen Gore und Splatter aufhört legt Farnsworth Film erst richtig los.
Dies sahen wohl auch die deutschen Zensur-Institutionen so und obwohl es nur eine US Veröffentlichung des Films auf DVD und Blu-ray gibt, schlug das AG Karlsruhe schneller mit einem Beschlagnahmebeschluss zu als Marcus Miller es mit seiner Axt kann.
Es ist schon traurig, das uns in Deutschland immer noch nicht das Recht zugesagt wird als mündiger Bürger das zu schauen was möchte.
Jeder Einzelne sollte letztendlich für sich selbst entscheiden könne was er sich zumuten kann und nicht durch Zensur bevormundet werden.

Aber zurück zu THE ORPHAN KILLER, der nämlich wesentlich mehr zu bieten hat als den vorgeworfenen Tatbestand der selbstzweckhaften Gewaltdarstellung, Gewaltverherrlichung oder Gewaltverharmlosung nach § 131 StGB.
Sicherlich bietet die Story nichts was man als wirklich innovativ bezeichnen könnte, aber in der heutigen Zeit ist es grade im Slasher-Genre auch ein sehr schwieriges Unterfangen dem Zuschauer etwas zu bieten was man zuvor noch nicht gesehen hat.
Und so beschränkt sich Matt Farnsworth auf den ersten Blick auf das wesentliche bei der hier erzählten Geschichte, was aber nicht heißt das dies ein Manko darstellt!

In erster Linie dürfte hier natürlich die Aufmerksamkeit der Gorehounds geweckt werden, die duch den § 131 Status wieder einen Film mehr auf ihrer "Must-have" List stehen haben.
In erster Linie hat man es hier natürlich mit einem Slasher zu tun der von seine harten und extrem blutigen FX lebt.
Diese FX sind wirklich "Over-the-Top", allesamt handgemacht und sehr realistisch ausgefallen; als hätte man in den 80gern Tom Savini etwas Koks und PCP in den Kaffee geschüttet und ihn damit in einen Rausch der Gewalt versetzt.
Wo andere Filme anfangen wegzublenden, geht es hier erst richtig los- man hält gnadenlos mit der Kamera drauf und zeigt dem Zuschauer jedes noch so blutige Detail.

Doch THE ORPHAN KILLER einfach nur als dumm-brutalen und hirnlosen Slasher abzutun wäre zu einfach und auch ungerecht!
Wer hier nämlich etwas an der Oberfläche dieser Splattergranate kratzt und sich auf den Film einlässt bekommt wesentlich mehr Tiefgang geboten als man zuerst erwartet und vermutet.
Während des Anschauens nimmt man nämlich wahr das bei THE ORPHAN KILLER ein blasphemischer Nihilismus vorherrscht der nicht von ungefähr kommt und von Sozialkritik und Kritik an der katholischen Kirche ausgelöst wird.
Sozialkritisch wird hier gezeigt das Menschen einfach zu Pauschal behandelt werden und anstatt den kindlichen Opfern, deren Eltern bestialisch ermordet wurden, die adäquate psychologische Hilfe zukommen zu lassen schiebt man sie einfach in ein Waisenhaus ab.
Auch im Waisenhaus kümmert man sich nicht individuell um die Kinder und ihre Bedürfnisse-von Liebe und Fürsorge keine Spur und so werden sie in einer christlichen Monohierarchie vernachlässigt und verwahrlosen Mental immer mehr.
Selbst nachdem man das vorhandene Gewaltpotenzial von Marcus Miller nach seiner ersten Gräueltat erkannt hat, bessert sich an diesen Umständen nichts; anstelle der notwendigen psychologischen Hilfe und Behandlung gibt es Züchtigung, Strafe und Abgrenzung von den anderen Kinder und die Vorhergehensweise der Institution hat Miller letztendlich zu dem gemacht was er ist : ein kaltblütiges, misantrophisches Monster. 
Auf drastische Weise werden wir nur erneut drauf aufmerksam gemacht, das sich seit Dekaden in der katholischen Kirche und in Waisenhäusern nichts geändert hat - Missbrauch, körperliche Gewalt, Züchtigung, Bestrafung und eine strenge Hierarchie, über die göttliches Schweigen gelegt wird, sind leider immer noch gang und gäbe.
Genau dies ist es dann auch, wodurch sich THE ORPHAN KILLER positiv von anderen 08/15 Slashern abhebt; auch wenn der Film doch recht genreorientiert inszeniert ist.

Sehr positiv ist das man vor verwackelten und billigen Digi-Cam Bildern verschont bleibt, welche ja leider im Indie Film oft üblich sind.
Auch THE ORPHAN KILLER ist zwar ein Low Budget Movie, was man ihm aber zu keiner Zeit ansieht und der gesamt Look macht ihn schon fast mainstreamtauglich.
Oft wird hier auch mal auf einen Kamerakran oder Aufnahmen aus einem Helikopter heraus gesetz - dies ist dem Film mehr als dienlich und wirkt sich sehr stimmig auf das Gesamtpaket aus.
Bei THE ORPHAN KILLER wird auch oft mit Rückblenden gearbeitet und auch diese sind mehr als gelungen; in grauen und kalten Bildern zeigt uns Farnsworth die Tristesse des Waisenhaus, die Demontage des jungen Marcus Miller welche ihn in einen seelenlosen Killer verwandelte.

Musikalisch dominiert hier der Metal-Sound und mit "Affiance", "Asking Alexandria", "Dawn of Ashes" oder "Born of Osiris" hat man einige namhafte Metalcore, Black Metal, Industrial Metal und Deathcore Bands auf dem Soundtrack, welche Liebhabern dieser Musikrichtung durchaus ein Begriff sein dürften.
Persönlich fand ich den Track bei den Opening Credits am besten; hierbei handelt es sich nämlich um eine Coverversion von Gerard McMann's "Cry Little Sister" vom LOST BOYS Soundtrack.
Der Kontext der Lyrics des Opening Tracks und das was Audrey Miller noch bevorsteht ist hier perfekt, denn im Laufe des Films heißt es für Audrey definitiv "Cry Little Sister"!

Bei den Darstellern bin ich zuerst davon ausgegangen man habe es wieder mit den gewohnten Knallchargen zu tun, die schon Probleme haben 2 Zeilen Text auswendig zu lernen und diese glaubhaft in die Kamera zu sprechen.
Dem war aber nicht so und ich war angenehm überrascht das die Protagonisten hier überzeugend agieren.
Auch wenn der Killer selbst im Film eher dialogarm agiert und eine Maske trägt kann er überzeugen.
Sein weiblicher Gegenpart Diane Foster, welche hier auch als Produzentin mitfungierte, agiert auch glaubhaft und verschont uns Zuschauer glücklicherweise mit hysterischem Dauerkreischen.
Selbst die Teenies zu Beginn des Films gehen vollends okay und man kann nicht wirklich etwas bemängeln.
Mit John Savage findet man bei THE ORPHAN KILLER sogar einen renomierten Namen in einer Nebenrolle.
Savage hat u.a. in Filmen wie DER PATE 3, DIE DURCH DIE HÖLLE GEHEN, DO THE RIGHT THING, MORDLUST und SALVADOR mitgewirkt.

Am Schluß des Films wird man wie bei zig anderen Vertrettern des Slasher-Genres auch bei THE ORPHAN KILLER mit einem Cliffhanger konfrontiert - bei diesem Slasher von Matt Farnsworth verhält es sich aber anders und hier hofft man regelrecht auf ein Sequel welches hoffentlich qualitativ den Standard des Vorgängers beibehalten kann.
Schon jetzt hat sich THE ORPHAN KILLER bei den Fans einen Namen gemacht und die Maske Miller's kann sich vollkommen zu Recht neben die Konterfeis von Jason, Freddy, Michael Myers, Pinhead und Konsorten gesellen.


9 von 10 Waisenkindern